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Zukunftsfähige Systembauweise im innerstädtischen Wohn- und Gewerbebau

05.07.10

 

Situation

Die demographische Entwicklung und der Klimawandel  erfordern dringend ein Umdenken in vielen Lebensbereichen. Das vorliegende Forschungsthema sucht Lösungswege für  sich daraus ergebenden Probleme.

Stadtumbau wird eine zentrale städtebauliche Aufgabe in den kommenden Jahren sein, denn die Alterung und der Rückgang der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland gehen einher mit Schrumpfungsprozessen und mit Veränderungen in allen Lebensbereichen. Dies wird auch weitreichende Folgen für die Stadtentwicklung haben und eine noch nie da gewesene Herausforderung für den Städtebau bedeuten.

Es müssen Konzepte gefunden werden, die es gestatten, die Revitalisierung und Reorganisation der Innenstädte als wesentliche Orte des gesellschaftlichen Lebens auf der Basis zukunftsweisender Ideen zu realisieren. Die Entwicklung innerstädtischer Gebiete erfordert in den meisten deutschen Städten neue Konzepte für die Nutzung vorhandener Grundstücke. An vielen Orten, insbesondere in Ostdeutschland, ist zu bemerken, dass attraktive und interessante Plätze nicht mehr bebaut werden, weil die gegebenen Randbedingungen, wie Zugänglichkeit, Nachbarschaftssituation, Forderungen der Denkmalpflege u.ä. bei Einsatz üblicher Planungs- und Baumethoden kostengünstig kaum zu erfüllen sind. Dies ist eine wesentliche Ursache für die  zu beobachtende „Stadtflucht“ der vergangenen Jahre, die verbunden ist mit einer kaum wünschenswerten Zersiedelung des Umlandes. Sofern hier künftig nicht konsequent gegengesteuert wird, droht den Innenstädten zusammen mit den Auswirkungen der demografischen Entwicklung vielerorts eine weitere Verödung!

Innenstädte sind vielfach nicht auf die vielschichtigen Anforderungen und Bedürfnisse  der potenziellen Bewohner vorbereitet. Gerade in Klein- und Mittelstädten ist nach wie vor die Ansicht weit verbreitet, dass die Altstädte wieder so zu ergänzen seien, wie sie vor 100 Jahren aussahen. Die Realität stellt sich indes anders dar. Die potentiellen Neu- oder Wiederbewohner dieser Quartiere verlangen wohnungsnahe Stellplätze, Licht, Luft und ein Freiraumkonzept von privaten Freiräumen über halböffentliche Bereiche bis hin zu öffentlichen Spielplätzen bzw. Aufenthaltsräumen.

Bei allen Überlegungen hat sparsamster Umgang mit natürlichen Energieressourcen und Verwendung erneuerbarer Energie oberste Priorität.

Lösungsansatz

Die Entwicklung der Bautechnik gestattet heute den Einsatz von modernen Werkstoffen wie Stahl, Glas, hochfeste Kunststoffe oder modifizierte Holzwerkstoffe. Im Zusammenwirken mit fortschrittlichen Systemen der Energietechnik, der Hüllkonstruktionen und des Ausbaus gelingt es anspruchsvoll, preiswert und nachhaltig zu bauen.

Die Zukunft gehört den Systembauweisen, die eine industrielle Grundstruktur besitzen und ausgehend von konstruktiven Basissystemen in der Lage sind, sehr individuell eingesetzt zu werden, ohne die Vorteile eines wieder verwendbaren erprobten Konzepts aufzugeben.

Betrachtet man insbesondere solche Bausituationen, die mit den innerstädtisch üblichen Problemen konfrontiert sind, wie behinderte Zugänglichkeit , das Gefangensein in vorhandener Struktur oder schlechter Baugrund, können nur Bauweisen genutzt werden, die spezifische Montage- und Ausbaubedingungen erfüllen. Das heißt im Einzelnen Begrenzung der Fundamentgrößen, geringe Beeinflussung benachbarter Bausubstanz, Montierbarkeit ohne schwere Hebezeuge, begrenzter Einsatz von Nassprozessen, wie Ortbeton, hoher Vorfertigungsgrad, intelligente technische Systeme usw..

Dabei spielt vor allem die Anpassung der Gebäude an die vorhandene Bebauung eine wesentliche Rolle. Insbesondere in Gebieten mit Denkmalschutz ist es notwendig, Gebäudehüllen zu konzipieren, die neben traditionellen Materialien durch die Nutzung hochwertiger Materialien, wie Glas, Kunststoff oder Metall, eine Einbindung auch in sensible Bereiche gestatten. Es ist heute möglich, an leichte Stahlskelette unterschiedlichste Fassaden anzubringen. Beispielsweise kann der konstruktive Glasbau ohne störende Tragstrukturen realisiert werden, so dass sehr einfache und schlichte Fassadenkonstruktionen möglich werden.

Bei der Gestaltung und konstruktiven Realisierung der Gebäude sind drei wesentliche Gesichtspunkte zu beachten:

- die Anpassbarkeit an veränderte Anforderungen während des gesamten Lebenszyklus

- der Einsatz zukunftsfähiger Systeme zur Gewinnung alternativer Energien über die Hüllelemente und die Realisierung intelligenter Heizungs- und Kühlsysteme im gesamten Gebäude.

- die Anwendbarkeit der zu entwickelnden Systemkomponenten sowohl im Neubau als auch bei Rekonstruktion und Umbau im Bestand

Um Antworten auf all diese aktuelle Situation zu geben, wurde in zwei Jahren ein vom Bund gefördertes Forschungsvorhaben bearbeitet.      

Die Bearbeitung des Forschungsthemas erfolgte in einem Verbund von Forschungspartnern, die alle betroffenen Gebiete, wie Grundsätze der Planung – Architektur, optimale konstruktive Gestaltung, Energiemanagement, industrielle Ausführung usw. umfassen:

- Bauhaus-Universität Weimar

- Rudolstädter Systembau GmbH 

- Rudolstädter Wohnungsverwaltungs- und Baugesellschaft mbH  (RUWO)

- Schaudt Architekten Konstanz

- Stadt Rudolstadt

Für eine prototypische Realisierung (Pilotprojekt) wird von der RUWO ein repräsentativer Standort zur Verfügung gestellt. Diese Vorgehensweise gestattet eine baupraktische Überprüfung und damit Optimierung der Projektergebnisse